Es ist ein kleine unscheinbare rote Mappe, die zwischen Fotos und anderen Unterlagen in einer Kiste Habseligkeiten meines Großvaters lag. Der Inhalt hat es jedoch in sich. 1938, nach dem Einmarsch Hitlers in Österreich, mussten schnellstmöglich Ahnenpässe angefertigt werden. Gut, ein leichtes Unterfangen für jemanden, dessen Familie die letzten Jahrhunderte in ein und derselben Region lebte. Was macht man aber, wenn die Familie aus ehemaligen k&k Ländern kommt?
Vielleicht stelle ich mir die Suche nach einem Abstammungsnachweis zur damaligen Zeit auch schwieriger vor, als es in Realität war. Die Kirchenbücher lagen in den jeweiligen Pfarren selbst, von Kriegszerstörungen kann bei den meisten keine Rede sein und schließlich war man nicht ganz so allein auf der Suche. Das Erstellen von Ahnenpässe muss die Kirchen über Jahre hinweg beschäftigt haben. Problematisch wurde es für einen allerdings, wenn man die “falschen” Wurzeln, sprich jüdische oder Roma bzw. Sinti, hatten – oder überhaupt keine Nachweise.
So perfide der Gedanke hinter der Pflicht zu Ahnenpässen war, so wichtig sind diese Dokumente für einen heutigen Ahnenforscher. Oft stellen sie den einzigen Anhaltspunkt für weitere Forschungen dar. So auch diese kleine unscheinbare rote Mappe meines Großvaters. Ein Dokument daraus möchte ich hier nun vorstellen – eine Kirchenbuchabschrift aus Peterwardein.
Zeitsprung: Am 23. Februar 1847 wird in Peterwardein, dem heutigen Petrovaradin (einem Stadtteil von Novi Sad) ein Josephus Kovacevic als Sohn des Josephus Kovacevic und der Barbara Shtimacz geboren. Es ist das Jahr vor den großen Unruhen von 1848, Europa ist im Umbruch. Die Spur dieses Josephus verliert sich von da an wieder, und er taucht 32 Jahre später wieder auf – als “Handlungs Comis” (Angestellter in einem Handelshaus) und Vater meines Urgroßvaters Rudolf Kovacevic. Jahre später wird er gemeinsam mit seiner Frau, Barbara Neuhüttler, am Altmannsdorfer Friedhof begraben (siehe Friedhofsbesuch).
Was sagt uns nun dieses Dokument?
Neben Namen und Geburtsdatum, den Namen der Eltern finden wir zum Beispiel der Hinweis “legitimus filius”. Das bedeutet, die Eltern haben vor der Geburt geheiratet (das grenzt bei einer möglichen Suche der Ehe im Kirchenbuch den Zeitraum ein). Der Vater war “contriluens”, ein Hinweis auf eine ärmliche ländliche Bevölkerungsschicht, die ohne eigenen Wohnbesitz in die Städte zog. Gewohnt hat die Familie in “Valle s. Ludovici” – dieser Ort lässt sich jedoch im Internet bisher nicht lokalisieren. Der Taufpate war ein gewisser Joannis Lastorres, ein Bürger (“civis”). Getauft wurde er von Casparus Radich, dem örtlichen Pfarrer (“parochus”).
Unter dem Punkt Oberservatio finden wir folgenden Eintrag “Extr. 14.VIII.1880″. Worfür die erste Abkürzung gilt, kann ich noch nicht sagen. Da Datum liegt in unmittelbarer Nähe zum Hochzeitsdatum (12. September 1880) von Josephus Kovacevic mit Barbara Neuhüttler – anzumerken ist hier, dass deren erstes Kind (mein Urgroßvater Rudolf Kovacevic) unehelich zur Welt kam.
Ganz zu Beginn des Dokuments (und nochmals am Ende im Stempel) lässt sich der Hauptansatzpunkt für weitere Forschungen bestimmen. Ausgestellt wurde des Kirchenbuchauszug von der Uzvišenja sv. Križa u Petrovaradinu II. Diese Kirche steht auch heute noch. Nach dem Besuch von zahlreichen Seiten über Genealogie in Serbien ist man eher zur Verwirrung geneigt. Dieses Hobby befindet sich in diesem Land eher im Anfangsstadium. Angeblich liegen die Originalkirchenbücher alle in staatlichen Archiven, sofern sie überhaupt noch vorhanden sind. Eine Anfrage läuft.




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